Tag: Wunderbar


Bachstelzies
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Ha! Ichfreumichso! Nicht wegen diesem unscharfen Schnappschuss durch mein pottendreckiges Fenster … ne, weil ich seit Jahren im Frühling und Sommer täglich Besuch von einem einsamen Wippsteert bekam. Oft musste ich darüber sinnieren, ob Herr Bachstelzi ein einsamer Geselle ist – denn nie sah ich einen Artgenossen oder gar eine Frau Bachstelze auf meinem Flachdach ein Bad oder zwei nehmen. Und gerade eben … juchuuu … Herr Stelzi und ein dahergelaufener Mitbewerber buhlen um die Gunst einer jungen Schönheit. Mögen Sie ein Nest bauen, viele kleine Stelzis zeugen und ihnen den Pool im Schatten der Solarpaneele hier zeigen …

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Jedes mal, wenn ich eine Fliege, die mal wieder seit Stunden vor dem Fenster rumbrummt, fange und durch ebendies in die Freiheit entlasse, meine ich zu hören, wie sie fröhlich ruft: „YAY! Endlich habe ich den Ausgang gefunden …“.

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Nur die Kirchenglocken durchbrechen die wohltuende Stille die von draußen hineinkriecht. Sie werden nur durch das Liedgut des irischen Antihelden, was hier leise aus dem Küchenradio plärrt übertönt. Der Kater lässt seine Blicke aus dem Fenster in die Ferne schweifen und die Katze schnurrt mir um die Beine. Das Postfach bleibt leer, das Telefon stumm und der einzige Punkt auf der Agenda ist ein Abendessen im kleinen Kreis. Solche Tage sind wahrhaft schön – und in diesem Sinne wünsche ich Euch allen den Frieden der Weihnacht.

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Einige wissen ja, dass ich mitten unter Euch in einer anderen Zeitzone lebe. Das hat viele gute Gründe und ein besonders zauberhafter ist mir eben wieder mit aller Macht bewusst geworden.

Ich mag die Nacht nicht wegen des fehlenden Lichtes, sondern weil sie die Welt um mich herum beruhigt. Das wuselige Leben, dass einen sonst umgibt, zieht sich langsam in die Behausungen zurück. Die Straßen werden ruhig und die Menschen bereiten sich auf Ihren Feierabend vor.

Für so viele bedeutet „Prime Time“ das langsame entschlummern auf dem Sofa und für mich ist es allenfalls die Zeit mal über das Mittagessen nachzudenken. Deshalb gehe ich auch gerne zu dieser Zeit einkaufen. Der Kaufmannsladen ist viel leerer, die Bediensteten zwar abgekämpft, aber bereits in freudiger Erwartung auf ihr baldiges Arbeitsende, es geht alles ein wenig langsamer – und trotzdem spart man Zeit.

Als ich eben aus dem kleinen Markt ums Eck kam und ganz allein auf dem sonst recht belebten Parkplatz stand, wusste ich wieder, dass ich hier und jetzt richtig bin. Die wenigen Geräusche von der Straße und aus der Siedlung gingen im sanften rascheln der Blätter des nahen Friedhofs unter und kein panischer Homo Hektikus weit und breit. Momente, die man sie sonst eher einem Sonntagabend im Winter zuschreibt. Doch jetzt, wo es noch mild ist und mit etwas Glück die Luft nach frisch geschnittenem Geäst riecht – dann ist dieser Moment, an dem die Sonne einer langsam kriechenden Kälte weicht, der vielleicht schönste Augenblick des Tages.

Sicher kann ein Jeder diesen Zeitpunkt erleben. Doch ich es macht einen Unterschied, ob man bereits sein Tagewerk hinter sich hat und sich nach der heimischen Ruhe sehnt, oder ob man im Grunde gerade erst richtig wach wird und die Ruhe des Tages in vollen Zügen auskosten kann. Denn morgens ist es irgendwie anders - dann wenn die Stille der Nacht durch das aufkeimende Treiben gebrochen wird ist es aus mit dem Frieden. Für mich die beste Zeit schlafen zu gehen. Gerade im Herbst.